Pnyxomancer
Tagebuch

1. März 2013

München 2: Erster Arbeitstag

Abgelegt unter: , TagebuchSteve um 22:04

Erster Arbeitstag bei Google, das ist ein bisschen wie erster Arbeitstag woanders auch. Viele neue Namen, herumführen, Manager und Geschäftsführer kennenlernen, das Übliche.

Ein bisschen anders ist es aber auch: Wenn einem der Manager gar nicht so genau sagen kann, wie das Arbeitsverhältnis mit ihm sein wird, weil es eben speziell ist bei Google. Oder wenn Teil der To-Do-Liste für den Neuen ist, sich bei einer Massage anzumelden. Und sich nochmal ein paar Seiten lang durchzulesen, was denn genau alles geheim ist.

Hängen bleibt vor allem, wie krass groß Google ist. Wenn man das erste Mal im Leben mit jemandem ernsthaft über Exabyte spricht (also eine Milliarde Gigabyte) - und hört, dass man bei ein paar Exabyte erstmal nachforschen musste, wo die eigentlich waren.

27. Februar 2013

München 1: Der Abend davor

Abgelegt unter: , TagebuchSteve um 19:09

Wartezeit ist die komischste Zeit. Ich sitze hier in meinem leeren Zimmer in Berlin, auf dem großen Bett, das Björn und ich doch neulich erst - gefühlt - aus Treptow rangeschafft haben. Und warte darauf, dass mein Nachtzug kommt und mich nach München ins neue Leben bringt.

Alle restlichen Habseligkeiten stehen neben mir, heute morgen haben die netten Menschen von Team Relocations alle Sachen abgeholt. So fühlt sich das also an, nichts zu haben außer einem Rucksack voller Klamotten und einem Eimer Farbe: Gar nicht so viel anders als sonst. Die Zukunft überschattet die Gegenwart eh.

Foreshadows von den Very Us Artists ist übrigens hervorragende Musik dazu. Überhaupt gewinnt Cyberpunk durch leere Räume ganz ungemein.

16. Juli 2008

Fortschrittsbalken Studium

Abgelegt unter: TagebuchSteve um 13:08

Fast geschafft! Habe meine Prüfung vorgestern nicht nur überstanden, sondern auch bestanden – mit einer glatten Eins. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Jetzt muss ich nur aufpassen, dass der Stein nicht zu groß gewesen sein wird, denn es steht am 4. die nächste an.

Aber Katja ist eh in der nächsten Woche bei ihren Eltern und die Sonne kommt auch nicht raus. Da kann ich mich genausogut in Arbeit vergraben.

9. Juli 2008

Loslassen können

Abgelegt unter: TagebuchSteve um 23:52

Ich finde in den letzten Wochen durch meine Prüfungen und Arbeit immer weniger Zeit, mich in den Fachschaftsaktivitäten zu involvieren. Nun, besser gesagt, einzumischen – denn eigentlich hätte ich der nächsten Generation schon lange das Feld überlassen sollen und wollen. Aber trotzdem ist es sehr schwer, die ganze Sache einfach los- und laufen zu lassen.

In diesen Tagen wird mir erst klar, wie falsch ich mit dem Gedanken lag, dass man so etwas wie eine Fachschaft an Nachfolger übergeben könnte. Übergeben tut man nämlich Häuser, Höfe oder Schiffe, nicht Fachschaften. Jede politische Organisation besteht nur zur Hälfte aus ihren messbaren Eigenschaften wie Methoden, Wissen und Kontakten; die andere Hälfte sind Ziele, Träume und Ansichten, und die müssen notwendigerweise verschieden sein.

Schade nur, dass ich von diesen neuen Ansichten nicht viel halten kann. Dieser Tage wird viel zu gern mit Vermutungen gearbeitet und im großen Kreise gemauschelt, statt jemanden zu fragen, wie denn die Dinge sind. Regelstudienzeit wird zum Mantra, und man zieht sich selbst aus falsch verstandener Rücksichtnahme die politischen Zähne.

Eigentlich, eigentlich gehen mich diese Dinge ja nun nichts mehr an. Aber es ist trotzdem verdammt schwer, die „Kleinen” einfach so machen zu lassen. Na ja, aber es muss ja sein, und besser früher als später. Helfen lässt sich da sowieso niemand mehr.

8. Juli 2008

De rei scribandi

Abgelegt unter: TagebuchSteve um 22:52

Eigentlich hatte ich diesen Blog ja nicht nur dazu gedacht, Rollenspiel nachzuerzählen. Eigentlich, ja eigentlich, sollte ein Blog ja vor allem ein Weg sein, mit dem Lebensweg eines Menschen, für den man sich interessiert, vertraut zu bleiben. Deshalb will ich allen interessierten Lesern einen kurzen Abriss meiner letzten paar Wochen geben:

Mein Studium neigt sich sehr gefährlich dem Ende zu, und es wird wohl das letzte Semester mit dem Ausweis werden. Montag habe ich die eine der beiden Prüfungen über Experimentalphysik, und am 4.8. die andere über Programmiersprachenübersetzer.

Ich sitze auch schon an der Diplomarbeit, deren Thema Superauflösung mittels optischer Moleküle sein wird: Unsere Arbeitsgruppe kann mit geschicktem An- und Ausschalten sogenannter optisch schaltbarer Moleküle die theoretisch erreichbare Auflösung von Mikroskopen um den Faktor 10 übertreffen. Wir können mit optischem Licht Strukturen sehen, die vorher nur mit riesigem Aufwand durch Elektronenmikroskopen betrachtet werden konnten. Meine Rolle dabei ist, die Berechnung der Bilder zu vereinfachen und vor allem schneller zu machen – denn für die "normalen", schon vorselektierten Ausschnitte von Zellen haben die mit heißer Nadel gestrickten Matlab-Skripte, die bei Physikern üblich sind, Stunden gebraucht. Mein Programm braucht eine Minute.

Gestern haben Katja und ich unser neunmonatiges Beziehungsjubiläum gefeiert. Ich weiß zwar nicht, wie das möglich ist, aber ich liebe sie jeden Tag mehr. Die Zeit fühlt sich noch so unerwartet nah an, als wir uns näher gekommen sind – die Zeit, in der ich morgens aufgewacht bin und erstmal meine Gefühle in den Griff bekommen musste, als ich meinen ganzen Mut zusammen nehmen musste, um in ihrer Nähe nicht durchzudrehen. Ich hoffe ja immer, dass diese Aufregung nicht weg ist – dass ihre Liebe mir nur die Kraft gibt, sie in neue Richtungen zu lenken. Und, so mir das fliegende Spaghettimonster helfe, unsere Liebe und Beziehung dabei nicht zu kurz kommen zu lassen.

Zu den schlechteren Nachrichten: Mein Rechner hat sich verabschiedet, nachdem ich ihm ein neues Netzteil verpasst hatte. Unddankbares Mistding. Na ja, dank guten Backups kann ich jetzt hier wenigstens an einem Knoppix arbeiten, und bis auf die Qwertz-Tastatur und die komische Desktopum- gebung fällt es nicht großartig auf.

21. Mai 2008

Man paddelt nur zweimal

Abgelegt unter: TagebuchSteve um 20:05

Für Katja und mich geht es morgen früh auf in den Fronleichnamsurlaub, auf nach Mecklenburg, auf an die Müritz.

Ich habe dabei ein etwas seltsames Gefühl. Das letzte Mal war ich 2005 dort, zusammen mit Andreas und Erkan. Eine schöne Reise war das, der Stoff, aus dem Reisefilme sind: Drei Männer, ein Boot, ein Ziel. Für mich war es eine der letzten Episoden vor der Dubliner Zeit.

Wenn ich mich an damals erinnere, fällt mir vor allem ein Wort ein: Ziellosigkeit. Die Fachschaft Technik war damals ein ziemlich sterbender Haufen, aus dem sich Aktiver für Aktiver abgeseilt hat und den die Erstis gemieden haben; mein Studium gestaltete sich nach dem Vordiplom auch immer schleppender und zielloser. Nur einige Wochen vorher war Fiona meiner ungeschickten Avancen endlich müde geworden und hatte mir endgültig erklärt, mich nicht mehr sehen zu wollen und mir auch vorgeschlagen, nach Irland nicht mehr in meine alte WG zurückzukehren.

Es hat sich viel geändert seitdem, und es ist noch viel mehr Zeit vergangen. Viele Dinge, die ich in dieser Zeit wollte, brauchten viel Zeit zur Umsetzung, und oft war es mein Fehler und meine Schuld, sie nicht voran zu treiben. Jetzt, vor dieser nächsten Reise, steht meine Zukunft erst wieder so da, wie ich sie will. Die schönste Frau, die ich je traf, fährt an meiner Seite; mein Diplom ist angemeldet, und ich habe fast ein Diplomarbeitsthema; ich wohne in einer aktiven WG; und, last but not least, ich mache mir kaum Sorgen um die Zukunft der Fachschaft.

Vieles davon hat Mut gekostet. Einen Mut, die der kleine Jungstudent, der damals nach Mecklenburg fuhr, nicht hatte. Mut, den ich mir in den letzten Jahren mühsam aufbauen musste. Dieser Aufbau hat mich viel Zeit gekostet, wohl in einer ganz anderen Lebensphase, als das normalerweise passiert: Aber ich hoffe, ich habe ihn nun und bin damit bereit für den nächsten Abschnitt des Lebens. Denn der kommt nun mit unaufhaltsamen Schritten, denn meine Prüfungen sind angemeldet und ein Diplomarbeitsthema steht in den Startlöchern.

Aber jetzt muss erstmal etwas Wasser verdrängt, eine schöne Frau glücklich gemacht und Sonne genossen werden.

1. Mai 2008

KIF 36.0 in Magdeburg

Abgelegt unter: TagebuchSteve um 22:26

Kurzer Bericht vom Stand der Dinge auf der Konferenz der Informatikfachschaften:

Hinfahrt war die Hölle, an einem Himmelfahrtsnachmittag auf einer der größten ICE-Linien Deutschlands. Na ja, ich hatte einen reservierten Platz und mir auf der zweiten Etappe auch die Mühe gemacht, mich zu ihm durchzukämpfen und ihn dann zu beanspruchen – wozu ich mich nach überhastetem Einstieg durch anderthalb vollbesetzte Wagen kämpfen musste, mit Trekkingrucksack, Schlafsack und Isomatte. Also Rucksack übern Kopf und durch – wenn man was auf dem Kopf hat, was verdammt schwer aussieht, gehen einem die Leute selbst dann aus dem Weg, wnn sie gerade noch glaubten, keinen Platz dazu zu haben.

Als ich dann auf der KIF war, kam gleich das leidige Eröffnungsplenum: Viele, viele Berichte aus den anwesenden Fachschaften, interner Quatsch, saufende Berliner. Dann Pause, Besprechung vieler Arbeitskreise. Zum Beispiel Massage. Über zwei Stunden für die Anwesenheitsfrage zu sechs oder sieben Arbeitskreisen. Grumph.

Heute war dann großer Bachelor-Master-Besprechungstag, vier Stunden Berichte aus verscheidenen Unis. Wir haben viele Wege gehört, Dinge auf viele verschiedene Arten zu regeln, und immerhin das erreicht, wozu eine Konferenz wie diese gut ist - Übersicht. Und eine Initiative gegründet, die die gesammelte Weisheit zur Bachelor-Master-Umstellung destillieren und online stellen wird. Ich muss sagen, die Sitzung war erstaunlich geordnet und trotzdem offen für eine so große und seltene Konferenz, aber es haben sich auch kaum Alt-Kiffels beteiligt.

Anschließend Skatspiel in der Sonne und Stadtrundgang; dann Abendprogramm. Nix schrecklich interessantes, und bis jetzt wird hier erstaunlich wenig Networking betrieben und erstaunlich viel Zeit totgeschlagen, aber das kann sich ja auch noch ändern. Immerhin genießt hier jeder auch ein wenig wohlverdienten Urlaub unter Mit-Geeks.

25. März 2008

Liebe existiert

Abgelegt unter: TagebuchSteve um 21:28

Der Blick, mit dem man sich einfach versteht. Aufwachen und das Wunder des Volumens in ihrem Haar bestaunen. Lächeln, das mein Herz zum Schmelzen bringt. Einfach vertrauen wollen und können. Ihr Geruch, der sich auf ewig ins Gedächtnis einkuschelt. Gleichzeitig Respekt und Nähe zu verspüren. Und Verlangen.

Das alles ist die Liebe, die schon gegen die Kälte eines ganzen Herbstes und Winters in mir brennt. Sie ist echt, und sie kann halten. Deshalb reihe ich meine Stimme ein in diejenigen, die hinausrufen:

Gib Liebe eine Chance – Fürs Frühstück am Morgen danach

13. März 2008

Ankündigung: Laser statt Brille

Abgelegt unter: TagebuchSteve um 13:50

Ich habe mich gestern zur Voruntersuchung für eine LASIK nach Detmold gewagt. LASIK, das ist ein Verfahren, bei dem ein fehlsichtiges Auge genommen und mit einem kleinen Messer oder etwas größerem femtosekundengepulsten Laser eine Scheibe von dessen Hornhaut abgenommen wird. Dann kommt ein großer Laser und brennt einige Mikrometer Hornhaut weg – gerade so viel, dass die Brechkraft der Linse genau auf die Länge des Auges eingestellt wird.

Man würde ja denken, dem wäre von Natur aus so, aber ziemlich vielen Menschen geht das nicht so: Nämlich allen kurz- und weitsichtigen. Bisher hat man der Maschine Körper in solchen Fällen mit Brillen und Linsen beholfen, aber seit Mitte der 90er korrigiert man den Pfusch, der bei der genetischen Fortpflanzung entstanden ist, eben über das direkte Verbessern der Hornhaut. Inzwischen ist die Methode recht ausgereift, und als guter Cyberpunk will man an diesem Sieg von Technik über Natur schon gern teilhaben.

Am 10. April ist meine OP. Drückt mir die Daumen.

6. März 2008

Von Steinen und Deutschen

Abgelegt unter: TagebuchSteve um 01:15

In den letzten Wochen hatte ich, neben dem Lernen, die große Ehre, das Spielerhandbuch zur 7th Sea zu lesen. Die Welt der Siebten See, das ist eine Rollenspielwelt im Europa des 17. Jahrhunderts, in der all die Geschichten um die großen Helden dieser Zeit wirklich passieren: D'Artagnan, Zorro, Francis Drake, William Turner und Jack Sparrow sind die Archetypen von Charakteren (also spielbaren Rollen); die Rettung von Königreichen, die Eroberung von Jungfrauen und die Wahrung ihrer Ehre das Ziel.

Analog zum Vorgängerspiel Legend of the Five Rings hat AEG sich für die Siebte See einen realen Kontinent genommen und ihn kräftig durch den Mixer gerührt, einmal gesiebt und dann neu geordnet. Übrig blieben Stereotypen der sieben großen Nationen Europas: Britannien, Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland, Schweden und Russland.

Es ist ja schon interessant, sich die Klischees über das eigene Land durchzulesen. Da wird geschrieben über Menschen mit einem unbeugsamen Willen und unglaublichem Mut; da wird geschrieben von einer Sprache, die kein Wort für surrender kenne[1]. Und die Deutschen, die im ganzen Buch abgebildet sind, sprechen weitere Bände: Mit beinen Beinen stehen sie fest und unbeweglich da, im Regen und Matsch, die Mienen ausdruckslos bis grimmig. Auf den ersten Blick fällt es fast schwer, sie von den dahinter liegenden Steinen zu unterscheiden. Unbeweglich, fest, starr.

Wenn man in einem Land lebt, glaubt man das ja nie. Die eigenen Leute sind immer normal. So viele ausdrucksstarke Deutsche kennt man doch. Well, seit Donnerstag wohnt bei uns in der WG Ana, eine Gaststudentin aus Argentinien/USA, und wenn man mit ihr spricht, fallen einem die alten Lektionen aus Irland wieder ein: Wahrheit ist der Faden, aus dem Stereotype gewoben werden.

Es muss wirklich göttlich gewesen sein, zuzusehen, wie diese Frau geradezu in ihrem Sessel tanzte, während ich in unserer alten Couch saß und mit wohlüberlegt platzierten Gesten meine Rede unterstrich. Da spürte man selbst, am eigenen Körper, die Unbeweglichkeit, mit sich in deutscher Umgebung bewegt. Wie aus dem Stein des Klischees gehauen.

Es muss trotzdem eine Freude für einen sprunghaften Menschen sein, solch einer Ansammlung von stabilen Menschen zuzusehen. Wie wären Deutsche sonst im Ausland so beliebt geworden? Stabilität, Zuverlässigkeit, Unbeeindrucktsein und Bodenhaftung, all das sind gute Eigenschaften, die Steine und Deutsche in der Saga teilen.

Doch: Wenn Steine oder Deutsche unkontrolliert in Bewegung geraten, gibt es viele Tote.

[1] Die Ironie ist wohl, dass Deutsch mit "Ergeben" und "Kapitulation" weit besser dasteht als Englisch, dass sich surrender sogar leihen musste

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