In den letzten Wochen hatte ich, neben dem Lernen, die große
Ehre, das Spielerhandbuch zur 7th Sea zu lesen. Die Welt der
Siebten See, das ist eine Rollenspielwelt im Europa des 17.
Jahrhunderts, in der all die Geschichten um die großen Helden
dieser Zeit wirklich passieren: D'Artagnan, Zorro, Francis Drake,
William Turner und Jack Sparrow sind die Archetypen von Charakteren
(also spielbaren Rollen); die Rettung von Königreichen, die
Eroberung von Jungfrauen und die Wahrung ihrer Ehre das Ziel.
Analog zum Vorgängerspiel Legend of the Five Rings hat AEG
sich für die Siebte See einen realen Kontinent genommen und ihn
kräftig durch den Mixer gerührt, einmal gesiebt und dann neu geordnet.
Übrig blieben Stereotypen der sieben großen Nationen Europas:
Britannien, Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland, Schweden und
Russland.
Es ist ja schon interessant, sich die Klischees über das eigene
Land durchzulesen. Da wird geschrieben über Menschen mit einem
unbeugsamen Willen und unglaublichem Mut; da wird geschrieben von
einer Sprache, die kein Wort für surrender kenne. Und die
Deutschen, die im ganzen Buch abgebildet sind, sprechen weitere
Bände: Mit beinen Beinen stehen sie fest und unbeweglich da, im
Regen und Matsch, die Mienen ausdruckslos bis grimmig. Auf den
ersten Blick fällt es fast schwer, sie von den dahinter liegenden
Steinen zu unterscheiden. Unbeweglich, fest, starr.
Wenn man in einem Land lebt, glaubt man das ja nie. Die eigenen
Leute sind immer normal. So viele ausdrucksstarke Deutsche kennt man
doch. Well, seit Donnerstag wohnt bei uns in der WG Ana, eine
Gaststudentin aus Argentinien/USA, und wenn man mit ihr spricht,
fallen einem die alten Lektionen aus Irland wieder ein: Wahrheit ist
der Faden, aus dem Stereotype gewoben werden.
Es muss wirklich göttlich gewesen sein, zuzusehen, wie diese Frau
geradezu in ihrem Sessel tanzte, während ich in unserer alten Couch
saß und mit wohlüberlegt platzierten Gesten meine Rede unterstrich.
Da spürte man selbst, am eigenen Körper, die Unbeweglichkeit, mit
sich in deutscher Umgebung bewegt. Wie aus dem Stein des Klischees
gehauen.
Es muss trotzdem eine Freude für einen sprunghaften Menschen sein,
solch einer Ansammlung von stabilen Menschen zuzusehen. Wie wären
Deutsche sonst im Ausland so beliebt geworden? Stabilität,
Zuverlässigkeit, Unbeeindrucktsein und Bodenhaftung, all das sind
gute Eigenschaften, die Steine und Deutsche in der Saga teilen.
Doch: Wenn Steine oder Deutsche unkontrolliert in Bewegung geraten,
gibt es viele Tote.