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<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de" xml:base="http://swolter.sdf1.org/pnyxomancer/" title="Interrail"><updated>2008-03-22T09:57:03+01:00</updated><title>Pnyxomancer</title><subtitle>Interrail</subtitle><author><name>Steve</name></author><logo>http://swolter.sdf1.org/pnyx-small.ico</logo><id>http://swolter.sdf1.org/pnyxomancer/interrail.xml</id><link rel="alternate" href="http://swolter.sdf1.org/pnyxomancer/interrail.html" type="text/html"/><link rel="self" href="http://swolter.sdf1.org/pnyxomancer/interrail.xml" type="application/atom+xml"/><generator uri="http://swolter.sdf1.org/CommandBlog" version="0.99">CommandBlog</generator><entry xmlns:footn="http://www.uni-bielefeld.de/~swolter2/Footnote" xml:lang="de"><updated>2008-03-15T19:11:29+01:00</updated><category scheme="http://www.uni-bielefeld.de/~swolter2/Blog/archive" term="2008-03"/><published>2008-03-15T19:07:57+01:00</published><id>sdf1.org:interrail-10-06.article</id>
   <title>Interrail-Tagebuch: Ostmessinien, 10. August</title>
   <category term="interrail" scheme="tag:swolter.sdf1.org,2007:" label="Interrail"/>

   <content type="xhtml"><div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
      <p>Ich sitze in ei­nem Hoch­ge­birgsca­fé am Pass zwi­schen Messi­ni­en
         und La­ko­ni­en, im Südwe­sten des Pele­pon­nes. Ge­stern habe ich am
         letzten Gül­tigkeits­tag des Tickets Olympia besich­tigt, bekan­nt
         als der Ur­sprungs­ort der olympi­schen Spie­le und der Platz, an
         dem 1000 Jah­re lang ei­nes der sieben Welt­wun­der stand: Die Zeus­sta­tue
         des Phi­di­as.</p>
      <p>Die Welt­wun­der haben ja einen ewi­gen Klang, auch wenn es
         heu­te nur noch Steinh­au­fen sind. Ich kann mich lei­der nur noch dun­kel
         des ers­ten Welt­wun­ders entsin­nen, das ich sah: Des Ar­te­mi­stempe­ls zu
         Ephe­sos. Die Py­ra­mi­den sind dage­gen noch klar, das ist erst zwei
         Jah­re her (mein Gott, "erst" zwei Jah­re), aber ich schät­ze,
         die Zeus­sta­tue hät­te mir besser ge­fal­len -- al­lein, weil sie nicht
         ganz so prol­lig rüber­kam. An­ge­sichts der Aus­maße der Py­ra­mi­den ist
         das, zu­ge­geben, na­tür­lich nicht schwer, denn einen Steinblock von
         6.250.000.000 Ki­lo­gramm Ge­wicht in die Landschaft zu ste­llen ist wohl
         das Non-Plus-Ul­tra des Sch­wanzverglei­ches.</p>
      <p>Ich bin für heu­te auf dem Weg nach Spar­ta. Habe mich vom Zug nach
         Kala­ma­ta brin­gen lassen und auf ei­ner Mo­le die Nacht verbracht.
         (Her­vor­ra­gen­de Stil­le, der Weg dort­hin ist so glitschig, dass ihn
          des Nachts kein Be­soffe­ner schafft.), bin mit dem Bus 
          ins klei­ne Dorf Ar­te­mi­sia hoch und an­schließend zu Fuß die Ber­ge
          hoch.</p>
      <a href="/interrail/sunp0232.jpg">
         <img src="/interrail/sunp0232_small.jpg" alt="A view from the pass down on Artemisia"/>
      </a>
      <p>Sitze jetzt bei der ers­ten Raststät­te, ge­schätzte 600 Hö­hen­me­ter
         wei­ter, und ge­nieße mei­nen wohl­ver­dien­ten Tee; wer­de den bis­her
         hart erkämpften 10 Ki­lo­me­tern bis zum Einbruch der Dun­kelheit wohl
         noch 5-8 hin­zu­fü­gen, Spar­ta ist noch 25 entfer­nt. Ich bin heu­te
         nicht selten zur Tou­ri­s­te­nattrak­ti­on ge­wor­den und aus den vol­len
         Bussen auf den ein­sa­men Wan­de­rer glotzten. Bis jetzt füh­le ich mich
         außerhalb des Bus­ses trotz vie­ler Ki­lo­me­ter Stei­gung und dickem
         Gepäck pu­delwohl. Iro­nisch, dass ich gra­de noch einen Text von
         Ge­or­ge Or­we­ll las, der ge­nau dies für un­möglich er­klär­te, ge­nau
         die­ses Leben mit statt du­rch Tech­nik – aber vie­lleicht sol­lte
         man mich auf 41 42teln der Rei­se noch ein­mal fra­gen, nicht nach ei­nem
         Drittel.</p>
   </div></content>
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  <author>
    <name>SNNR</name>
  </author>
  <content type="text">
Sag mal, kommentiert überhaupt mal jemand hier? Aber das
hört sich sehr interessant an. :) Wenn ich irgendwann mal Zeit
und KEIN Praktikum haben sollte, kannst du mir ja mal ein paar
Tipps zum Interrailreisen geben. :) www.hospitalityclub.org ist
wie gesagt bisher mein Liebling.  LG

Svenja
</content>
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  <author>
    <name>Thiton</name>
  </author>
  <content type="text">
Nein, eher selten, aber der Zugriffszähler sagt mir, dass sich
weiterschreiben lohnt ;-).

Danke für den Link, hatte schon viel von den Leuten gehört,
aber mich nie anmelden können, weil ich immer den Link
vergaß.

Schönen Gruß, Thiton
</content>
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   <title>Traumafabrik Mitteleuropa</title>
   <category term="interrail" scheme="tag:swolter.sdf1.org,2007:" label="Interrail"/>

   <content type="xhtml"><div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
      <p>Die Son­ne. Nüch­tern betrach­tet ein Stern un­ter ei­ni­gen
         Tril­lio­nen, im Schnitt ei­ne astro­no­ni­sche Ein­heit von der
         Er­de entfer­nt, etwa ei­ne Son­nen­mas­se schwer und im Be­sitz
         mi­nde­stens ei­nes bewohn­ten Pla­ne­ten und so sieben bis neun
         unbewohn­ter<a xmlns:xhtml="http://www.w3.org/1999/xhtml" href="#footnotetext1" name="footnotemark1" class="footnotemark">[1]</a>.
         Und doch so viel mehr: Leben und leicht be­klei­de­te Frau­en vor
         al­lem.</p>
      <p>Mir brach­te die­se Son­ne vor al­lem die Erin­ne­rung an mein
         In­ter­rail zu­rück, an den Mo­nat ewi­ger Son­ne. Von Ko­penh­a­gen und
         Ke­mi bis Kala­ma­ta, an­derthalb Mo­na­te lang, schi­en nur die Son­ne.
         Ich muss es wissen, mei­s­tens schlief ich draussen, da merkt man
         fast je­den Trop­fen. Und dann, ich glaube, es war ein zehn­ter
         Au­gust, pas­sier­te, wo­vor Ma­je­stix schon immer grau­te: Es kam der
         Himmel auf un­se­re Köp­fe her­un­ter.</p>
      <p>Un­se­re, das war mei­ner und der ei­ni­ger Spa­nie­rin­nen, die wir es
         uns zu­sammen auf dem Deck der Su­pe­rFast IV bequem ge­mach­ten hatten.
         So bequem, wie es halt auf ei­nem Stahl­rumpf ge­ht, aber als 
         In­ter­rai­ler ist man ja hart. Der Wind bläst ei­nem vier Stock­wer­ke
         über der See schon ganz schon um die Oh­ren, wenn man mit dreißig
         Kno­ten ge­gen ei­ne schar­fe Bri­se aus Nord an­stinkt, und so la­gen 
         wir mit un­se­ren Sch­lafsä­cken im Windschutz un­se­rer Rucksä­cke und 
         der we­ni­gen aufge­ste­llten Zelte ver­teilt aufmm Deck. Wach wurde
         ich dann von ei­nem kräfti­gen Don­nern; schon zuck­te der näch­ste
         Blitz du­rch die Wol­ken und be­leuch­te­te die aufge­peitschte See.
         Nein, die Su­pe­rFast beein­druck­te das na­tür­lich nicht im 
         Ge­rings­ten, der Ka­pi­tän hatte schließ­lich einen Fahr­plan 
         ein­zuh­al­ten<a xmlns:xhtml="http://www.w3.org/1999/xhtml" href="#footnotetext2" name="footnotemark2" class="footnotemark">[2]</a>, und so schnitt sie
         du­rch die We­llen. Nur, dass uns Deck­pas­sa­gie­ren jetzt der gan­ze 
         Himmel in Form von Was­ser entge­gen­kam.</p>
      <p>Und es siffte. Wir fuh­ren die gan­ze Nacht du­rch, jetzt in das 
         Aus­sichts­deck am Heck ge­drängt, die Schne­llen in der Mitte, die
         Langsa­men am Rand und die Dummen un­ter der Trau­fe. Und das Schiff
         pflügte un­aufh­alt­sam in die Re­gen­front. Bei je­dem Blitz wurde     
         ei­nem das gan­ze Aus­maß der Mi­se­re ein Stück bewus­ster, die 
         un­entrinnba­re Größe des Wol­ken­feldes kla­rer. Mor­gens die 
         schreck­li­che Ge­wiß­heit: Das hat sich ein­ge­re­gnet. Kein Licht­fleck,
         we­der am Ho­ri­zont noch darüber noch dar­un­ter. Die Welt bestand
         nur noch aus Was­ser un­ter uns, Was­ser in un­se­ren Ge­sich­tern, 
         Was­serdampf über uns und die­sem
         al­ten Con­tai­ner­schiff da drüben, das be­stimmt auch Was­ser gela­den 
         hatte. Ge­gen
         Mittag, zu der Stun­de, zu der die Son­ne sonst am Höch­sten stand,
         legten wie in An­co­na an, und es siffte wei­ter. Abends saß ich im
         Zug nach Bo­lo­gna, und es nie­selte nur noch; Bo­lo­gna selbst war
         nur noch bewölkt. Doch wie soll man "Be­wöl­kung" wert schät­zen,
         wenn man aus der grie­chi­schen Son­ne kommt? Das war in dem Mo­ment
         die Ver­gan­gen­heit: Der Rausch wo­chen­lan­ger, to­ta­ler Frei­heit 
         un­ter der ewi­gen Son­ne. Die Ge­gen­wart: Ein in den engen Sch­luch­ten
         der Al­pen hoch­krie­chen­der Cis­al­pi­no. Und due Zu­kunft: Sechs
         Mo­na­te Bie­le­feld. Die ewi­ge Wol­ken­de­cke, de­ren Tris­tesse du­rch
         die spo­ra­di­schen Lichtbli­cke nur ver­schärft wird.</p>
      <p>In die­sem Mo­ment wusste ich, oh­ne je­den Zwei­fel, wie­so einst
         das Volk nach ei­nem Platz an der Son­ne schrie. Hät­ten sie doch
         ein­fach das gan­ze Land ver­legt.</p>
   <div class="footnotes"><p xmlns:xhtml="http://www.w3.org/1999/xhtml"><a href="#footnotemark1" name="footnotetext1" class="footnotetext">[1]</a> So si­cher ist man sich da nicht und 
            wir arbei­ten als Men­schheit schließ­lich heftig dar­an,
            einen unbewohn­ba­ren Pla­ne­ten zu schaffen.</p><p xmlns:xhtml="http://www.w3.org/1999/xhtml"><a href="#footnotemark2" name="footnotetext2" class="footnotetext">[2]</a> Wohl Absol­vent der "Ti­ta­nic School of 
         Na­vi­ga­ti­on". Gut, es ist auch ei­ne ho­he Kunst, in der Adria das
         Schiff vor einen Eisberg zu setzen.</p></div></div></content>
<link rel="self" type="application/atom+xml" href="http://swolter.sdf1.org/pnyxomancer/article-fernweh.xml"/><link rel="alternate" type="text/html" href="http://swolter.sdf1.org/pnyxomancer/article-fernweh.html"/></entry></feed>
