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   <title>In neuem Heime</title>
   <category term="tagebuch" scheme="tag:swolter.sdf1.org,2007:" label="Tagebuch"/>

   <content type="xhtml"><div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
      <p>Ach, der Mensch ist schon ein ko­mi­sches Wesen. Ich sitze
         hier ge­ra­de das ers­te Mal nach mei­nem Umzug an mei­ner
         Ma­schi­ne und bin schon wie­der vie­le Stun­den hin­ter mei­nem
         tol­len Zeitplan; die Wand ist nur halb ge­stri­chen, links
         von mir blo­ckie­ren zwei lan­ge Sch­rän­ke mein Bett, rechts 
         von mir nimmt der Sch­reibtisch das halbe Zimmer ein, statt
         sich schön in die Ecke zu fü­gen, und mir lässt das Gan­ze noch
         ge­nau 5 De­zi­me­ter Platz, in de­nen ich mich jetzt ein­ge­rich­tet
         habe. Na­tür­lich kaum frei­wil­lig — nein, das Licht ließ
         mir ein­fach kei­ne an­de­re Wahl mehr, als das Strei­chen 
         abzubre­chen.</p>
      <p>Doch ich bin glück­lich und stolz. Draussen fährt die Bahn vorbei
         und man hört sie kaum noch, das Wohn­zimmer ist tatsäch­lich bewohnt,
         und mir schi­en vor­hin gar die Son­ne ins Zimmer — oh­ne, dass
         sie mir an­zei­gen wol­lte, endlich früh­stü­cken zu wol­len. Das Leben
         ist schön.</p>
      <p>Trotz al­ler phy­si­schen Wi­der­wär­tigkei­ten wie Sch­la­fen auf ei­ner
         Iso­la­ti­ons­matte und PVC-Bo­den, wie feh­len­dem Klei­der­schrank und
         feh­len­dem Rech­ner, wie gekürzter Mu­sik und Scho­ko­la­de und trotz
         al­ler Farbdämp­fe und stu­pi­der Streich­arbeit. Oder, vie­lleicht,
         we­gen all die­ser Din­ge. We­gen all die­ser Din­ge, die einen Aka­de­mi­ker
         wie­der zu ei­nem Men­schen im ursprüngli­chen Sin­ne ma­chen kön­nen:
         Ei­nem Tier, das sei­ne ei­ge­ne Höh­le nicht nur bau­en, son­dern auch
         strei­chen und möblie­ren kann.</p>
   </div></content>
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