Pnyxomancer

6. März 2008

In neuem Heime

Abgelegt unter: TagebuchSteve um 01:15

Ach, der Mensch ist schon ein ko­mi­sches Wesen. Ich sitze hier ge­ra­de das ers­te Mal nach mei­nem Umzug an mei­ner Ma­schi­ne und bin schon wie­der vie­le Stun­den hin­ter mei­nem tol­len Zeitplan; die Wand ist nur halb ge­stri­chen, links von mir blo­ckie­ren zwei lan­ge Sch­rän­ke mein Bett, rechts von mir nimmt der Sch­reibtisch das halbe Zimmer ein, statt sich schön in die Ecke zu fü­gen, und mir lässt das Gan­ze noch ge­nau 5 De­zi­me­ter Platz, in de­nen ich mich jetzt ein­ge­rich­tet habe. Na­tür­lich kaum frei­wil­lig — nein, das Licht ließ mir ein­fach kei­ne an­de­re Wahl mehr, als das Strei­chen abzubre­chen.

Doch ich bin glück­lich und stolz. Draussen fährt die Bahn vorbei und man hört sie kaum noch, das Wohn­zimmer ist tatsäch­lich bewohnt, und mir schi­en vor­hin gar die Son­ne ins Zimmer — oh­ne, dass sie mir an­zei­gen wol­lte, endlich früh­stü­cken zu wol­len. Das Leben ist schön.

Trotz al­ler phy­si­schen Wi­der­wär­tigkei­ten wie Sch­la­fen auf ei­ner Iso­la­ti­ons­matte und PVC-Bo­den, wie feh­len­dem Klei­der­schrank und feh­len­dem Rech­ner, wie gekürzter Mu­sik und Scho­ko­la­de und trotz al­ler Farbdämp­fe und stu­pi­der Streich­arbeit. Oder, vie­lleicht, we­gen all die­ser Din­ge. We­gen all die­ser Din­ge, die einen Aka­de­mi­ker wie­der zu ei­nem Men­schen im ursprüngli­chen Sin­ne ma­chen kön­nen: Ei­nem Tier, das sei­ne ei­ge­ne Höh­le nicht nur bau­en, son­dern auch strei­chen und möblie­ren kann.

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