Pnyxomancer

6. März 2008

Terminal

Abgelegt unter: Politik, MedienSteve um 01:15

Ge­stern hab ich mir endlich die Zeit ge­nommen, Ter­mi­nal zu schau­en. Ter­mi­nal, das ist ein Film über einen fik­tio­na­len Men­schen aus ei­nem fer­nen Land, der am JFK-Flu­gh­a­fen in New York Ci­ty lan­det und dort festste­llen muss, dass sein Hei­matland sich ge­ra­de aufge­löst hat und er desh­alb oh­ne gül­ti­ge Pa­pie­re in der in­ter­na­tio­na­len Zo­ne festsitzt. Der Mann rich­tet sich im Ter­mi­nal häus­lich ein, fin­det Freun­de und all das, bis zum Ha­ppy End. The works, recht ge­wöhn­li­che Hol­ly­wood-Kost. Ins­ge­sa­mt ein recht netter Film, aber nix über­ra­gen­des.

Gut umge­setzt wurde der Fo­kus auf ei­nes der großen Proble­me un­se­rer Zeit: Die ver­selbststän­digte Büro­kra­tie. Und in die­ser Be­zie­hung haben die Amis ja, trotz al­len "war on ter­ror­ism", noch Glück. Wir haben nicht nur die EU, ein Amok lau­fen­des Mon­s­ter von Ap­pa­rat, de­ren Kompe­ten­zer­wei­te­rung sich nicht mal vom non der Fran­zosen bei der so­ge­nan­nten Ver­fas­sung aufh­al­ten ließ. Nein, wir haben nicht nur die­ses Mon­strum, das mit den Entschei­dun­gen von Mi­ni­s­ter­run­den die Ver­fas­sun­gen sei­ner Mitgliedsstaa­ten aus­hebeln kann. Nein, wir haben ja auch noch sol­che Kol­le­gen wie un­sern lieben Her­rn Schäuble. Nein, wir haben ja auch noch Mil­li­ar­den­pro­jek­te wie un­sern neu­en, tol­len Rei­se­pass, auf den mit ei­nem unglaubli­chen Aufwand di­gi­ta­le Da­ten ge­spielt wer­den, um vie­lleicht den du­rchschnitt­lich einen Fall von Passfälschung zu ver­hin­dern, der in Deut­schland im Jahr überhaupt auffäl­lt. An­de­re sind da auch nicht besser dran: In Großbri­tan­ni­en plant Tony Blair jetzt, Pan­zer­spe­rren zu er­rich­ten, um Flu­ghä­fen vor Au­to­bomben zu schüt­zen. So­was ist zwar zu heftigs­ten IRA-Zei­ten nicht vor­ge­kommen, aber man kann ja nie wissen. Und man hat den Bür­ge­rn ja eh schon ein paar Mil­li­ar­den Pfund abgenommen, dann soll man die auch ein­setzen.

Mir macht die­ser neue Staat Angst. Die­ser Staat, der Sta­cheldraht ge­gen sei­ne Bür­ger zie­ht, der Komplettüber­wa­chung des In­ter­nets du­rch­zie­ht, der um vier Uhr mor­gens in Hartz-IV-Razzi­en prüft, wer wann mit wem ge­schla­fen hat, der Men­schen zum Fol­tern an die USA über­gibt, der sei­ne Ge­heimdien­s­te zu­sammen­führt und je­der Kontrol­le entzie­ht, der An­griffs­krie­ge in der gan­zen Welt führt und Ge­setze zur weit rei­chen­den Über­wa­chung sei­ner Bür­ger mor­gens vor­legt und nach we­ni­gen Stun­den im Ge­wal­tritt du­rch die Op­po­si­ti­en prü­gelt.

So einen Staat kann nie­mand ernsthaft noch De­mo­kra­tie nen­nen. Deut­schland ist wie­der da, wo es in den 20ern war: For­me­ll ei­ne Volks­herrschaft, re­al ei­ne Ari­sto­kra­tie, die die Ge­se­llschaft bis zur Sturmrei­fe ka­put­tadmi­ni­s­triert.

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