Pnyxomancer

6. März 2008

Ökologische Geldanlagen?

Abgelegt unter: PolitikSteve um 01:15

Manchmal verwundert mich die Naivität der Grünengeneration – dieses Typus Mensch, der aus der gemäßigt alternativen Szene kommt, die Umwelt schützen, aber dabei bloss nicht die eigenen Pfründe angreifen will – enorm. So wie gestern, als ich in einer Beilage der Zeit zufällig mal wieder von ökologisch und ethisch korrekten Anlagen als dem Königsweg zu einer sauberen Volkswirtschaft las.

Ich fasse das Konzept mal kurz zusammen: Es ist ja allgemein bekannt, dass erfolgreiche Firmen sich einen Scheiß um Ethik scheren. Menschenrechte, Allmenden wie Umwelt und Rohstoffe, das Wohl der Angestellten oder die Demokratie sind ihnen einfach egal. Der Konzern an sich ist genau einem Herrn verpflichtet: Seinem Aktionär. Manche Geschäftsführer mögen das aus persönlichem Pflichtgefühl heraus anders sehen, doch diese werden wegen mangelnder Gewinne natürlich blitzschnell rausgeworfen.

Wer nun am Konzept Konzern festhalten will, aber gleichzeitig sein Gewissen beruhigen möchte, dem bleibt nur eines: Selbst der Aktionär werden. Und genau diesen Weg gehen die ökologischen Fonds: sie investieren für ihre Anleger in Unternehmen, die in ihrer jeweiligen Branche am ökologischsten/ethischsten/fairsten arbeiten.

Klingt ja erstmal nach einem tollen Konzept; man hat mit geringem wirtschaftlichem Umstellungsaufwand (und damit geringer Gefahr für die eigene gesellschaftliche Dominanz) was für sein altes 68er-Gewissen getan. Ist aber natürlich, wie die meisten Patentrezepte, Nonsens. Warum?

Weil böse Firmen nun mal nicht aus Jux und Dollerei böse Firmen sind. Kinder werden deswegen in Minen gesteckt, weil das billiger ist und geringe Kosten der Königsweg zum Profit sind. Und was heißt viel Profit? Viel Gewinn für die Anleger. Und was heißt viel Gewinn für die Anleger? Dass diese Anleger morgen auf dem Kapitalmarkt mehr zu sagen haben werden. Wer Kinder in die Minen schickt, kann mit seinem verdienten Geld bald noch viel mehr Kinderminen aufmachen und wird, über kurz oder lang, sich gegen seine ethisch gehinderten Konkurrenten durchsetzen.

Und genau das gleiche Prinzip gilt auf dem Kapitalmarkt eben: Wer heute sein Kapital meistgewinnend anlegt, hat morgen mehr davon. Und da ökologische Anlagen zwangsläufig weniger Rendite bringen als andere (sonst hätten ja auch klassische Fonds darein investiert), werden die Ökoanlagen langfristig an den Rand gedrängt und haben am Ende nichts gebracht. Selbst dann, wenn viele von uns ökologisch anlegen – der, der es nicht tut, wird sich durch seine Gewinne zu einem Mogul hochschwingen, der uns alle beherrscht. Das ist Marktwirtschaft – wer mehr Geld hat oder macht, gewinnt. Das ist oft erwünscht, wo es aber nicht erwünscht ist, lässt es sich auch mit noch so tollen Strategien nicht lenken, denn:

Wo der Markt mitspielen darf, gewinnt er.

Drei Kommentare

  1. > Ich fasse das Ko­n­ze­pt mal kurz zusam­men: Es
    > ist ja all­gemein bekan­nt, dass er­folg­rei­che
    > Fir­men sich einen Scheiß um Et­hik sche­ren.
    
    Etwas pauschal mal wieder? ;) Wie sieht es z.B. mit der Drogeriekette dm aus? Oder den entsprechenden an TransFair beteiligten Firmen ...
    
    > Mens­che­nrech­te, All­men­den wie Um­welt und 
    > Ro­h­stoffe, das Wo­hl der An­ge­ste­ll­ten oder die
    > De­mo­kratie sind ih­nen ei­n­fach egal. Der 
    > Ko­n­ze­rn an sich ist ge­nau ei­nem He­r­rn 
    > ve­r­pflich­tet: Sei­nem Ak­tio­när. Manche 
    
    Und was ist wenn der Konzern keine AG ist? Oder die Aktionaersmehrheit besondere Ideen hat?
    
    > Ge­schäftsfüh­r­er mö­gen das aus pe­r­sönli­chem
    > Pflich­tge­fühl her­a­us an­de­rs sehen, doch die­se
    > werden wegen man­geln­der Ge­wi­n­ne natür­lich
    > blitz­sch­ne­ll raus­ge­worfen.
    
    Kommt auf die Aktionaere an ...
    
    Naja, bei dem Artikel kann ich eigentlich nur
    die Dokumentation 'The Corporation' http://www.thecorporation.com/ empfehlen. Dort stellen Experten unter anderem die These auf, das ein  Konzern amerikanischer Art zwangslaeufig der Gesellschaft schaden muss.
      

    Kommentar von Georg Sauthoff — 29. April um 18:54

  2. OMFG - ich hatte eigentlich extra \n eingefuegt ...
    
    Liegt das an deiner Software?
    
    Btw, eine beg-ware Version des Films gibt es via:
    http://torrentfreak.com/the-corporation-free-filmmakers-share-edition/  

    Kommentar von Georg Sauthoff — 29. April um 18:56

  3. Naja, ganz recht hast du da nicht. Zum einen gibt es
    Branchen, wo unethisches Handeln weniger Vorteile bringt
    als in anderen. Einfach nur in diesen zu investieren
    ist schonmal gut fürs Gewissen und auch nicht unbedingt
    katastrophal für den Geldbeutel.
    
    Dann kommt aber noch der Punkt, wo du sagst, dass es nix
    bringt, selbst wenn viele es tun. Doch, dann wird nämlich
    moralisch korrektes Handeln selbst zum Maßstab, auf den
    sich Marktkräfte auswirken. Unternehmen gehen ja nicht
    an die Börse, weil sie gerne ihren Gewinn teilen, sondern
    weil sie die Investitionen der Aktionäre wollen. Wenn die
    aber jetzt tendentiell moralische Unternehmen bevorzugen,
    könnte dies andere Nachteile kompensieren oder sogar
    überkompensieren. Zugegeben, die Börse ist einfach zu
    böse, als dass es wahrscheinlich erscheint, dass das in
    absehbarer Zeit passiert. Aber die Unternehmen würden
    nicht Geld für Greenwashing ausgeben, wenn es den Effekt
    nicht gäbe, zumindest bei Endverbrauchern.
      

    Kommentar von Christian — 15. Februar um 13:54

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