Pnyxomancer

6. März 2008

Film: Leergut

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Ge­stern fei­er­te das Bie­le­felder Pro­grammki­no Licht­werk den zwei­ten Jah­restag sei­nes Umzugs in das neue, große, schö­ne Ge­bäu­de im Ra­vensber­ger Park. Eingela­den wurde zu Kaffee und Ku­chen, wobei die Gä­s­te letzte­ren mitbrin­gen sol­lten.

Man merkt dabei: Das Licht­werk ler­nt dazu. Bei der Filmpla­katver­stei­ge­rung im De­zember hatten sie nur den besten Ku­chen ge­krönt, und da kam fast nie­mand auf die Idee, was mitzubrin­gen. Diesmal gab es Ki­nopäs­se für ein gan­zes Jahr, und so war die Bu­de vol­ler Ku­chen. Die Ti­sche bo­gen sich un­ter der Last.

Das Licht­werk zeigte zur Fei­er des Ta­ges einen der großen Filmhits der letzten Filmfe­ste in ei­ner Pre­view vor dem großen Start. Ihr habt es am Ti­tel wohl schon ge­se­hen: Es war die tsche­chi­sche Ko­mö­die "Leer­gut".

Ko­mö­die sei hier in der ursprüngli­chen Be­deu­tung ge­meint, nämlich als ei­ne Ge­schich­te, die ein gu­tes En­de nimmt, und nicht als die for­ciert gro­tesk-ko­mi­sche Hol­ly­wood-Va­ri­an­te. Leer­gut zeich­net sich du­rch eben die­se Un­ter­schei­dung aus: Die Ko­mik, die Tra­gik, die Epik und die Ly­rik lie­gen in klei­nen De­tails im Al­ltag des al­ternden Pra­ger Leh­rers Jo­sef, der sei­nen Job an den Na­gel hängt und sich in das Abenteu­er ei­ner neu­en Lebens­fin­dung stürzt.

Der nor­mal vorbela­s­te­te Zu­schau­er er­war­tet nun ei­ne Rei­he von mit epi­scher Mu­sik un­ter­mal­ten Sze­nen, in de­nen Jo­sef die Kon­flik­te sei­nes Lebens mit di­cken Be­frei­ungs­schlä­gen, von de­nen wir al­le träu­men, löst und schließ­lich in den Son­nen­un­ter­gang rei­tet. Denk­s­te. Leer­gut lässt sich nicht zu sol­cher Plump­heit hin­reissen – nein, klein auf klein ge­ht Jo­sef zu Werk und mei­s­tert Stück für Stück sein Leben. Und der Film schaut ihm ein­fach nur dabei zu, kommen­tiert ebenso zu­rückh­al­tend und er­reicht so die Haupt­aufgabe des Ki­nos: Uns ei­ne neue Per­spek­ti­ve auf un­ser Leben zu geben, statt uns ein­fach nur die Flucht dar­aus zu er­mögli­chen.

Ich möch­te den Film je­dem nur emp­feh­len. Der Saal war bre­chend voll, und doch ging kaum je­mand trau­rig oder un­ge­rührt wie­der hin­aus.

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