Pnyxomancer

15. März 2008

Interrail-Tagebuch: Ostmessinien, 10. August

Abgelegt unter: InterrailSteve um 19:07

Ich sitze in einem Hochgebirgscafé am Pass zwischen Messinien und Lakonien, im Südwesten des Peleponnes. Gestern habe ich am letzten Gültigkeitstag des Tickets Olympia besichtigt, bekannt als der Ursprungsort der olympischen Spiele und der Platz, an dem 1000 Jahre lang eines der sieben Weltwunder stand: Die Zeusstatue des Phidias.

Die Weltwunder haben ja einen ewigen Klang, auch wenn es heute nur noch Steinhaufen sind. Ich kann mich leider nur noch dunkel des ersten Weltwunders entsinnen, das ich sah: Des Artemistempels zu Ephesos. Die Pyramiden sind dagegen noch klar, das ist erst zwei Jahre her (mein Gott, "erst" zwei Jahre), aber ich schätze, die Zeusstatue hätte mir besser gefallen -- allein, weil sie nicht ganz so prollig rüberkam. Angesichts der Ausmaße der Pyramiden ist das, zugegeben, natürlich nicht schwer, denn einen Steinblock von 6.250.000.000 Kilogramm Gewicht in die Landschaft zu stellen ist wohl das Non-Plus-Ultra des Schwanzvergleiches.

Ich bin für heute auf dem Weg nach Sparta. Habe mich vom Zug nach Kalamata bringen lassen und auf einer Mole die Nacht verbracht. (Hervorragende Stille, der Weg dorthin ist so glitschig, dass ihn des Nachts kein Besoffener schafft.), bin mit dem Bus ins kleine Dorf Artemisia hoch und anschließend zu Fuß die Berge hoch.

A view from the pass down on Artemisia

Sitze jetzt bei der ersten Raststätte, geschätzte 600 Höhenmeter weiter, und genieße meinen wohlverdienten Tee; werde den bisher hart erkämpften 10 Kilometern bis zum Einbruch der Dunkelheit wohl noch 5-8 hinzufügen, Sparta ist noch 25 entfernt. Ich bin heute nicht selten zur Touristenattraktion geworden und aus den vollen Bussen auf den einsamen Wanderer glotzten. Bis jetzt fühle ich mich außerhalb des Busses trotz vieler Kilometer Steigung und dickem Gepäck pudelwohl. Ironisch, dass ich grade noch einen Text von George Orwell las, der genau dies für unmöglich erklärte, genau dieses Leben mit statt durch Technik – aber vielleicht sollte man mich auf 41 42teln der Reise noch einmal fragen, nicht nach einem Drittel.

Zwei Kommentare

  1. Sag mal, kommentiert überhaupt mal jemand hier? Aber das
    hört sich sehr interessant an. :) Wenn ich irgendwann mal Zeit
    und KEIN Praktikum haben sollte, kannst du mir ja mal ein paar
    Tipps zum Interrailreisen geben. :) www.hospitalityclub.org ist
    wie gesagt bisher mein Liebling.  LG
    
    Svenja
    

    Kommentar von SNNR — 21. März um 19:55

  2. Nein, eher selten, aber der Zugriffszähler sagt mir, dass sich
    weiterschreiben lohnt ;-).
    
    Danke für den Link, hatte schon viel von den Leuten gehört,
    aber mich nie anmelden können, weil ich immer den Link
    vergaß.
    
    Schönen Gruß, Thiton
    

    Kommentar von Thiton — 22. März um 09:57

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