Pnyxomancer

6. März 2008

Die Masse ist dumm

Abgelegt unter: Politik, — Steve um 01:15

Jeder kennt doch die Aussage: Einzelne Menschen sind klug, Gruppen von Menschen sind dumm. Durch irgendeine Eigenschaft würden Menschen bei der Formung einer Gruppe ihr Hirn am Eingang abgeben und zu willenlosen Tieren. Und wenn sie doch denken, dann wird das entweder als grandiose Ausnahme deklariert oder einfach die Gruppe zur Ansammlung umdeklariert.

Solche Sätze kommen ja meistens von Individuen, die Gruppen gegenüberstehen oder zu fürchten haben. Abgeordnete gegen Volk, Lehrer gegen Schüler, Besitzende gegen Nichtbesitzende oder Philosophen gegen Pragmatiker sind Beispiele, die jeder kennt. Immer steht der Gedanke des Einzelnen gegen die Gedanken der vielen; immer fragt man sich: Wenn der Einzelne denn diese Idee haben konnte – wieso konnte sie denn keiner der vielen haben? Ist es vielleicht, weil der intelligente Mensch a priori allein ist, sozusagen die Einsamkeit der Spitze? Aber was passiert denn dann, wenn diese Spitzenmenschen eine Gruppe bilden? Hören sie auf magische Weise auf, Spitze zu sein?

Natürlich verhalten sich Menschen in Gruppen etwas anders, als sie sich alleine verhalten. Gruppenmitglieder sind mutiger nach außen und feiger, wenn es darum geht, sich gegen ihre Gruppe zu stellen. Menschen sind nun mal auch Tiere. Manche lassen sich auch fallen in die Sicherheit der Gruppe. Aber beeinflussen all diese Eigenschaften denn die Intelligenz der Gesamtgruppe? Die, die vorher in der Lage waren, zu denken, werden es doch immer noch können und sich nicht von ein bisschen Euphorie abhalten lassen. Diese Entschuldigung, liebe Braunhemdler, ist dann doch etwas zu einfach.

Der Eindruck, dass Gruppen dumm seien, ist natürlich nicht von der Hand zu weisen – doch vielmehr stammt er daher, dass der Weg eines Indivduums von der Einsicht zum Gedanken ein ganz anderer ist. Wie ein einzelner Mensch seine Entscheidungen trifft, weiß so recht keiner – doch wie viel weniger wissen wir über Gruppendynamik? Und schlimmer noch, was wissen wir denn darüber, wie eine Gruppe fundiert Entscheidungen treffen kann? Doch so gut wie nichts. Was ist es da ein Wunder, wenn die Ergebnisse einer Gruppenhandlung nicht allzu toll sind? Das mag im Ergebnis gleich klingen – größere Gruppen von Menschen wären effektiv nicht zu intelligenten Leistungen fähig – aber die Implikation ist diametral anders:

Gruppen mögen dumm aussehen, aber das liegt nur an unserer schlechten Technik. Sie besser zu machen, ist mit ein bisschen Erfahrung in Demokratie einfach zu machen — gebt ihr nur eine Chance.

Ein Kommentar

  1. Naja, dass Gruppen zum Teil "dümmer" sind als die
    Individuen aus denen sie bestehen liegt natürlich auch
    daran, dass es den Effekt geben kann, dass es einen
    Zustand gibt, in dem das Gemeinwohl der Gruppe maximal
    ist, einzelne sich aber einen Vorteil zu Kosten der Gruppe
    verschaffen können. Ein Pareto-Optimum also zwar, aber
    kein Nashgleichgewicht. Ab da wird es dann interessant, wie
    sich die Gruppe gegenüber solchem antisozialen Verhalten
    verhält. Es ist durchaus eine rationale Handlungsoption
    zu sagen, dass man nicht schlechter gestellt sein möchte
    als der asoziale Penner da drüben und so selbst zum
    asozialen Penner wird. Am Ende hängen dann alle in einem
    schönen Nashgleichgewicht fest, obwohl sie wissen, dass
    es jedem einzelnen besser ginge, wenn sie sich kollektiv
    für den Zustand entschieden, den sie am Anfang hatten. So
    verhalten sich alle rational (was ja eine Definition für
    "intelligent" ist) und stehen am Ende schlechter da als
    wenn sie zum Beispiel durch einen irrationalen Drang
    getrieben wären, nicht durch die Gruppe geächtet werden
    zu wollen oder so. Vertrackte Sache das.
      

    Kommentar von Christian — 15. Februar um 13:40

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