Pnyxomancer

6. März 2008

UM-PAR-KEN! UM-PAR-KEN!

Abgelegt unter: PolitikSteve um 01:15

Heute nachmittag war ein Vertreter des Landesherrschers, und zwar der für Innovation und den ganzen Rest, in Bielefeld. Kurzum, Andreas Pinkwart, der alte Insolvenzexperte, guckte sich mal an, was seine Untertanen so geschaffen hatten, vor allem den neuen Trakt der Uni Bielefeld. Der sich übrigens wegen seiner revolutionär guten Abriegelbarkeit ganz hervorragend für diesen Besuch zu eignen schien. Diese Eigenschaft des Baus musste der Sicherheitsdienst Pinkwarts dann selbstverständlich nutzen, um Studierende und Mitarbeiter, selig vereint, in die sprichwörtliche Traufe vor die Tür zu verbannen.

Und so spielte sich vor dem Ministerium die folgende Szene ab: Studierende, vor dem Regensturm Schutz suchend, in den Eingang gekauert und ihre Transparente umklammernd, unwillens, dieses Dreckstück von einem Minister ohne symbolischen Protest vorbeizulassen; ein paar DGBler daneben, die sich sichtbar absetzten, unwillens, das Dreckstück von einem Minister ohne symbolischen Protest vorbeizulassen; ein paar Polizisten, die man sicherheitshalber in Montur in die Winterkälte geschickt hate, damit das Dreckstück von Minister auf gar keinen Fall warten müsse. Ach ja, und verschiedene Sicherheitsdienste natürlich, damit das Dreckstück von Minister nicht etwa selbst in die Richtung derer, um deren Schicksale er würfelt, schauen muss, um sich vor fliegenden Eiern zu schützen. Eine Abordnung der Kunst-und-Musik, die dem Dreckstück von Minister zeigen wollte, wessen Fachbereich wegen seiner dicht gemacht wird. Ach ja, und eine Menge Vertreter der Uni, die da waren, um dem Dreckstück von Minister in den Hintern zu kriechen, damit mit ihnen nicht das Gleiche gemacht wird.

Und dann kommt schnell der Minister. Husch, vier sündhaft teure Wagen fahren vor – husch, eine Abteilung Schränke und Diener steigt aus und geleitet den Herrn ins Haus, die Studierenden rüde aus dem Weg stoßend. Sicherheitshalber noch mal einen halben Meter nachstoßend, und ich stand direkt daran, ich hab's gemerkt. Weil der hohe Herr ja keinesfalls innerhalb von zwei Metern um ihn herum das Pack ertragen kann.

Ich hatte ja gedacht, die Praxis der Liktoren (der römischen Soldaten, deren einzige Aufgabe es war, einem hochrangigen Beamten voranzugehen und sein Ego durch Vorzeigen von Rütenbündeln zu stützen) sei seit dem Ende des römischen Imperiums abgeschafft. Wäre heute gar nicht mehr nötig, wir wären ja eine friedliche und demokratische Gesellschaft. Phah. Dieses Dreckstück von Minister verballert jedenfalls bei einem einzigen, alltäglichen Auftritt genug Manpower und protzt mit solchen Luxuskarossen, dass ein absolutistischer Provinzfürst zufrieden gewesen wäre. Volksdiener. Dass ich nicht lache. Wenn solche Menschen Diener sind, dann muss für die Ankunft der Herren eine ganze Stadt evakuiert werden.

Ich würde ja dagegen nichts einwenden. Aber das Geld, das täglich in Nachtschichten von meinen Mitbewohnern erarbeitet wird, um die Studiengebühren zu erbringen, stopft Löcher, die dieses Dreckstück mit seinem Luxusbedürfnis und seiner Wichtigtuerei reißt. Das gleiche Geld, das das ganze Land zusammenlegt, um Bildung zu finanzieren, das versickert hier.

Aber c'est la vie, schließlich haben wir ja gewählt und konnten damit ein Kreuz neben einer Gruppe von Menschen ankreuzen, die wir nicht kennen, die aber dafür die Menschen auf Listenplätze setzen durften, die wir nicht kennen, die dann einen Menschen als Ministerpräsident wählten, der dann dieses Dreckstück einsetzte. Wir hatten ja alles in der Hand und werden es bald wieder als Souverän vollständig in der Hand haben. Demokratie ist toll, nicht?

P.S.: Nicht, dass sich die Studierenden mit Ruhm bekleckert hätten. Da „Bildung für alle, und zwar umsonst” als Slogan nicht konsensfähig war, war unser Schlachtruf UM-PAR-KEN!, denn die Polizei parkte alle Behindertenparkplätze zu.

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