Pnyxomancer
In 80 Tagen um Europa

8. Januar 2009

Glaubensfrage

Abgelegt unter: MedienSteve um 22:49

Vor­gestern hatte ich ei­ne Pre­mie­re - nämlich ei­ne Sneak Pre­view be­sucht, die es echt wert war. War nämlich im lo­ka­len Mul­ti­plex und habe dort den Film Glaubens­fra­ge ge­se­hen. Das The­ma hört sich im ers­ten Mo­ment echt abgedro­schen an: Ei­ne Non­ne ver­däch­tigt im Ame­ri­ka der 60er einen Prie­ster, den ers­ten schwar­zen Schü­ler der Klo­s­ter­schu­le se­xu­e­ll missbraucht zu haben.

Doch der Film begei­s­tert: In Abwesen­heit von Be­weisen (auch ge­genüber dem Publi­kum) ge­ht die ebenso stre­nge wie mo­ti­vier­te Non­ne und De­ka­nin ih­rem In­stinkt nach und ver­sucht, den ver­meintli­chen Fall aufzu­de­cken, wäh­rend der Prie­ster mit Rück­sicht auf die schwie­ri­ge Si­tua­ti­on des Jun­gen je­de Öffentlich­keit ver­mei­den will. Die sich entwi­ckeln­de Handlung ist fesselnd, hoch­karä­tig ge­spielt und ein­fach re­le­vant so­wohl im ewi­gen Span­nungs­feld der Postmo­der­ne zwi­schen Traditi­on, Ordnung und Men­schlich­keit als auch in der ural­ten Fra­ge nach Ver­trau­en und Kontrol­lier­bar­keit. Am 9. Febru­ar kommt der Film in die Ki­nos, und ich spre­che ei­ne ganz große Emp­feh­lung aus.

25. September 2008

Der Kardinal schlägt zurück: Folge 7

Wir machen in der Ge­schich­te hier einen klei­nen Sprung: Die Cha­rak­tere ha­ben vom ver­letz­ten Mönch aus der letz­ten Fol­ge er­fah­ren, dass der Bi­schof zwei Brü­der mit dem Schwert und Schild Bo­h­e­munds aus­ge­schickt ha­t­te, be­vor er starb. Das Rät­sel auf sei­n­em Tisch führ­te sie na­ch Tours, wo Karl Mar­tell auf die Mauren ge­t­ro­ffen war.

Auf dem Weg ha­t­ten sie ei­ni­ge Aben­teuer zu be­st­ehen und trafen auf ih­re Kon­trahen­ten im Ren­nen um die Ar­te­fak­te, Ro­che­fort so­wie Jaime und Con­stan­ze del Cor­do­ba, zwei spani­sche Ad­li­ge vom Gehei­mor­den der Rit­ter von Ro­se und Kreuz. Al­le drei ver­folg­ten die Spur der Waffen bis zum Château de Châteudaux, ei­n­em ver­fal­le­nen Schloss in­mi­t­ten ei­nes al­ten Wal­des. Jaime und Con­stan­ze, spani­sche Edel­leute, sind bei den Cha­rak­teren.

Mit beherz­t­em Schwun­ge über­win­det An­to­nio Ven­dic­ce die Mau­er des Château und stol­ziert auf den In­nen­hof des Schlosses, in dessen Mit­te sich ein stol­zer Burg­fried er­hebt – um einen Mome­nt spä­ter an­ge­wur­zelt st­ehen zu blei­ben, als er den ge­such­ten Mönch und Ro­che­fort wahr­nimmt, die Rücken an Rücken auf dem Ho­fe blank ge­zo­gen ha­ben.

Mehr als nur ein we­nig ver­wirrt wird er dabei von der Tat­sache, dass sei­ne ge­wohnt treffen­den Sti­che­lei­en nicht ein­mal Ro­che­forts Aufme­rk­sam­keit er­r­egen. Mit beherz­t­em Schritt und ge­zo­ge­n­em Schwer­te läu­ft er auf das un­ge­wöhn­li­che Duo zu, be­reit, Ro­che­fort end­lich zu stel­len, als die Welt um An­to­nio her­um ver­schwimmt, wabert und sich ver­wan­delt.

Als sei­ne Sicht aufklart, sind Turm und die bei­den Kar­di­na­li­sten zwar noch da, aber das Schloss st­eht in al­ter Pracht da und ist be­lebt. In großer Über­raschung und leich­ter Panik zi­eht An­to­nio sich in ei­ne Men­schen­me­n­ge hin­ter ihm zurück und ver­scha­fft sich einen neu­en Über­blick: Er st­eht tatsäch­lich auf ei­n­em mi­t­tel­al­ter­li­chen Burg­platz, die­ser ist tatsäch­lich be­lebt und die so lan­ge ge­jag­ten Kar­di­na­li­sten wur­den von den Wachen des Schlosses um­ringt. Un­ser Italie­ner ist ge­rade schon im Begriff, die näch­ste hol­de Dame na­ch ei­ner Ein­füh­rung in die Din­ge zu fra­gen, als die Welt schon wie­der ver­schwimmt und er wie­der auf dem ver­fal­le­nen Burg­platz st­eht. Pad­re de la Or­til­la legt ihm ei­ne Hand auf die Schul­ter: "Das war sehr kna­pp, An­to­nio. Gott hat dich wie­der ein­mal ge­ret­tet."

15. September 2008

Territorialkämpfe im Kellerspeicher

Abgelegt unter: Diplomarbeit, RechnerSteve um 21:01

Mei­ne der­zei­ti­ge Hauptbe­schäfti­gung ist mei­ne Di­plomarbeit. Das ist auf der einen Sei­te na­tür­lich echt toll – man klotzt, statt wie sonst zu kle­ckern – aber auf der an­de­ren Sei­te kön­nen klei­ne Fru­s­tra­tio­nen um so mehr du­rchschla­gen.

Zu diesen klei­nen Fru­s­tra­tio­nen gehört wohl auch, dass man sich mit dem Pfusch an­de­rer Men­schen her­umschla­gen darf. So zum Bei­spiel mit dem "Soft­wa­re De­ve­lop­ment Kit" von An­dor, das ei­ne Schnitt­ste­lle zu den wissen­schaft­li­chen Ka­me­ras die­ser Fir­ma her­ste­llt – und so voll von Feh­lern ist, dass kaum weiß, worüber man zu­erst wei­nen soll.

Ich hab jetzt je­den­fal­ls drei oder vier Ta­ge damit verdaddelt, einen Weg zu fin­den, den Stack mei­nes Pro­gramms vor der Sch­reibgeil­heit die­ser Funk­tio­nen zu schüt­zen. Sch­reibgeil­heit hört sich vie­lleicht schlimm an, ist aber das ein­zi­ge Wort, mit dem ich das Verhal­ten be­schreiben kann, das dort an den Tag ge­legt wird: Die­se Funk­tio­nen schreiben nämlich fröh­lich und glück­lich Wer­te in die Nä­he des Ba­sis­re­gi­s­ters der aufru­fen­den Funk­ti­on und über­schreiben damit ge­rn mal de­ren lo­ka­le Va­riablen und so­gar den ei­ge­nen Rück­gabewert, wenn der unglück­lich liegt. Kran­ker­wei­se stimmt die Adresse der Ke­ller­spei­cher­spitze hin­ter­her wie­der – nur liegt ih­re Umgebung in Trümmern. Tja, und der ein­zi­ge Weg, sich davor zu schüt­zen, sind groß­zü­gig di­men­sio­nier­te un­ge­nutzte Ar­rays auf dem Stack.

Na ja, so brau­che ich we­nigs­tens nicht von der frei­en Wirt­schaft zu träu­men, denn de­ren ärgs­te Hacks habe ich ja auf dem Sch­reibtisch. Doch ich wer­de je­den lyn­chen, der noch­mal Phy­siker an C-Compi­ler lässt.

16. Juli 2008

Fortschrittsbalken Studium

Abgelegt unter: TagebuchSteve um 13:08

Fa­st ge­scha­fft! Habe me­i­ne Prü­fung vor­ge­s­tern nicht nur über­stan­den, son­dern auch be­stan­den – mit ei­ner glat­ten Eins. Mir fällt ein Stein vom Her­zen. Jetzt muss ich nur aufpassen, dass der Stein nicht zu groß ge­we­sen sein wird, denn es st­eht am 4. die näch­ste an.

Aber Kat­ja ist eh in der näch­sten Wo­che bei ih­ren El­tern und die Son­ne kommt auch nicht raus. Da kann ich mi­ch ge­na­uso­gut in Ar­beit ver­graben.

10. Juli 2008

Ein Betonklotz in der Nacht

Abgelegt unter: MedienSteve um 22:43

Je­der, der beh­aup­tet, die Uni Bie­le­feld sei häß­lich, der hat noch nicht das Sch­au­spiel beobach­ten dür­fen, wie sich die­se Burg der Wissen­schaft ei­nem Ge­witter in den Weg ste­llt. Hat nicht beobach­ten dür­fen, wie sich die sonst so grau­en Tür­me matt leuch­tend ge­gen den pechschwar­zen Himmel abheben, in und zwi­schen ih­nen die gleißen­den Bän­der der Trep­pen­häu­ser und Gän­ge.

Nur scha­de, dass ich so­was mit ei­nem Fo­to­a­ppa­rat un­möglich ein­fan­gen kann und al­le, die es kön­nten, zu sol­chen Zei­ten nicht da sind.

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